Es war ein regnerischer Pfingstsonntag. Um 18:45 traten die beiden den vom König gewünschten Spaziergang an. Als sie um 20:00 Uhr noch nicht wieder zurück im Schloss waren, veranlasste der beunruhigte Dr. Müller eine erfolglose Durchsuchung des Schlossparks. Gegen 23:00 Uhr machte sich Dr. Müller in Begleitung des Schlossverwalters Huber in einem Fischerkahn auf, um den Schlosspark entlang des Seeufers abzusuchen. Schon nach Kurzem stieß Huber einen Schrei aus, als er einen toten Körper im Wasser treiben sah. Gleich darauf bemerkte man einen weiteren leblosen Körper im Wasser. Der König und Dr. Gudden waren tot! Am 14. Juni wurde in München der Tod König Ludwigs bekannt gegeben - gleichzeitig mit der Thronbesteigung Ottos. Otto aber konnte nicht regieren, da bei ihm schon seit langem eine Geisteskrankheit bekannt und diagnostiziert war. So übernahm die Amtsgeschäfte Prinz Luitpold oder besser die Minister. Welche Tragödie sich am Ufer des Starnberger Sees am Abend des 13. Juni genau zugetragen hat wird wohl nie mehr eindeutig zu klären sein. Viele Stimmen sagen, dass der König ermordet wurde und dies bei der durchgeführten Obduktion verheimlicht wurde. Um den Tod des Königs ranken sich bis heute zahlreiche Geschichten und Legenden. Das Haus Wittelsbach verweigert bis heute die Öffnung des Sarges und eine erneute Untersuchung des Leichnams. Damit schaffen sie einen idealen Nährboden für Verschwörungstheorien - oder verschleiern die wirklichen Vorfälle am Abend des 13. Juni 1886. Fast wie ein Schuldeingeständnis wirkt es, dass dem von seinem bayerischen Volk geliebten Monarchen ein Jahr nach seinem Tod, überhalb der Todesstelle, nur seine Mutter Königin Marie, eine gotische Totenleuchte errichten ließ. Erst zehn Jahre nach dem mysteriösen Ableben des Königs, 1896, veranlasste Prinzregent Luitpold den Bau einer Gedächtniskirche ebenfalls oberhalb der offiziellen Todestelle bei Berg am Starnberger See.
Die Bauzeit der Kirche, die allgemein als Votivkapelle bezeichnet wird und sich im ehemals weit ausgedehnten Park von Schloss Berg befindet, betrug vier Jahre. Sie wurde im Jahr 1900 eingeweiht. Die Gedächtniskirche im frühromanischen Stil, ist als Kuppelbau nach den Plänen des 1840 in Triest geborenen Architekten und königlichen Hofbaurates (später Oberbaurat) Julius Hofmann ausgeführt. Bislang konnten wir jedoch nicht recherchieren, wer diese Gedächtniskirche fertiggebaut hat, da Julius Hofmann im Jahr des Baubeginns verstorben ist und so die Bauleitung schlecht übernehmen konnte. Die einzige Information, die ermittelt werden konnte, ist, dass wohl der Sohn Hofmanns - Robert - den von seinem Vater begonnenen Bau zu Ende brachte. Der achteckige Kuppelbau aus Muschelkalk wurde von August Spieß als mit Sternen geschmückter, dunkelblauer Himmel in einer Freskomalerei ausgeführt.
So zeigt eine alte Postkarte die Gedächtniskapelle für den von seinem bayerischen Volk sehr geliebten Monarchen König Ludwig II.
Über dem Triumphbogen der Kapelle sind das bayerische Wappen und die Inschrift "Ludovicus II. Rex Bavariae" (Ludwig II. König von Bayern) zu sehen.
Zwei Tafeln in lateinischer Schrift, die an den Seitenwänden der Vorhalle montiert sind tragen folgende Inschrift:
Dem Gedächtnis Seiner Majestät Ludwig II, König von Bayern, geweiht, der nach 22jähriger Regierung zur Trauer des Vaterlandes an dieser Stelle am 13. Juni 1886 aus dem Leben schied.
Leider ist über den Bau der Votivkapelle nur sehr wenig Information zu finden. Weder das Internet noch Bücher über Sehenswürdigkeiten am Starnberger See gehen näher auf den Bau oder die am Bau beteiligten Personen ein. Die von der Königinmutter gestiftet Totenleuchte wurde beim Bau der Votivkapelle in die Treppen, die zum Starnberger See hinabführen integriert.
Die Totenleuchte, die Ludwigs Mutter, Königin Marie, für ihren toten Sohn errichten ließ. Fast 10 Jahre stand diese Laterne einsam am Seeufer
Es stellt sich auch die Frage, warum es 10 Jahre dauerte, bis man dem in Bayern von seinem Volk so sehr beliebten Monarchen ein Denkmal setzte? Ist die Votivkirche ein Stein gewordenes Schuldeingeständnis derer, die an einer Beseitigung König Ludwigs beteiligt waren?