Aus für die Carl-Orff-Festspiele in Kloster Andechs

Aus für die Carl-Orff-FestspieleCarl Orff, der bekannte Komponist würde sich ob dieser Nachricht wohl im Grab umdrehen. Die Carl-Orff-Festspiele, die jährlich in Andechs stattfanden werden nach der Saison 2015 eingestellt. Nach ANgaben der Süddeutschen Zeitung gibt es schwerwiegende und unüberbrückbare Differenzen zwischen der Carl-Orff-Stiftung und dem Kloster Andechs. So steht es auch schwarz auf weiss in einer Pressemitteilung des Klosters, die am 7. Mai 2015 veröffentlicht wurde. Ein trauriger Tag für alle Kulturfreunde im Fünfseenland. Nach Aussage der Carl-Orff-Stiftung präferiere man die Aufführung von Werken Orffs, die „exemplarischen Charakter“ haben. Mit der Werkauswahl des Künstlerischen Leiters Marcus Everding sei dies nicht gegeben. Laut Kloster Andechs seien Versuche mit der Stiftung in einen fruchtbaren Dialog zu treten nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Das Kloster Andechs stellt sich hinter seinen Intendanten Everding, der die Festspiele nach der Maxime „ein Novum im Kontinuum“ weiterentwickeln und das Potential der Werke Orffs ausschöpfen und einem jungen Publikum zugänglich machen wollte. Dies war für Everding stets eine Herzensangelegenheit. Das Kloster Andechs als Träger der Festspiele braucht nach eigenen Angaben die ideelle Unterstützung als auch die Finanzielle. Die Stiftung als Inhaber der Urheberpersönlichkeitsrechte jedoch habe auf eine weitgehende Mitsprache bei der Inszenierung und Besetzung der Werke bestanden. Es sollen sogar öfter rechtliche Konsequenzen mit Blick auf die Inszenierung von Marcus Everding in den Raum gestellt worden sein, schreibt das Kloster Andechs in seiner Pressemitteilung. Auch für die aktuelle Saison habe man wegen unterschiedlicher, künstlerischer Auffassung sehr lange um einen Aufführungsvertrag bangen müssen. In Sachen künstlerische Freiheit scheinen die Meinungen zwischen Kloster Andechs und der Carl-Orff-Stiftung also weit auseinander zu gehen. Ohne eine Einigung jedoch könne man die Festspiele nicht weiterführen, heißt es in der Pressemitteilung des Klosters. Eventuelle juristische Schritte könne und wolle man nicht riskieren. Die Carl-Orff-Stiftung scheint die Festspiele unter der Leitung von Marcus Everding nicht weiter fördern zu wollen. Die Carl-Orff-Stiftung weist die erhobenen Vorwürfe des Klosters entschieden zurück und nennt die Entscheidung des Klosters, die Festspiele nicht mehr weiterzuführen „einseitig“. Man habe eben erst über die weitere, finanzielle Unterstützung beraten, heißt es auf der Webseite der Stiftung. Auch habe man niemals mit juristischen Schritten gedroht, so die Stiftung. Die Stiftung habe nur daran Anstoß genommen, dass die Werke Orffs nicht aus der Partitur heraus inszeniert wurden sondern unter Nichtbeachtung der musikalischen Vorgaben allein aus dem Libretto. Was hätte wohl der am 10 Juli 1895 in München geborene Komponist Carl Orff zu dieser Entwicklung gesagt? Die Frage, wie er selbst zu Everdings Inszenierung und Interpretation seiner Werke gestanden hätte, lässt sich leider nicht mehr beantworten. Da mag der Draht in den Himmel von Kloster Andechs noch so gut sein, so gut, dass diese Frage eine Antwort finden könnte, ist er leider doch nicht. So werden die Carl-Orff-Festspiele also nach 18 Jahren ab der Saison 2016 nicht mehr im Kloster von Andechs veranstaltet und das Fünfseenland ist um ein kulturelles Highlight ärmer. Ob sich Carl Orff, der in der Klosterbasilika von Andechs begraben ist wohl in diesem umdreht? Wir wissen es nicht …   Webseite der Carl-Orff-Festspiele: http://www.carl-orff-festspiele.de Webseite der Carl-Orff-Stiftung: http://www.orff.de  

  Autor: cam für fuenfseenland.de

Über den Autor: christian andreas mueller

Heimatforscher, Naturschützer, Energieeinsparer, Apple-Fan, Ex-Verlagsbetreuer, Hobbygärtner und gebürtiger Fünfseenland'ler. Geboren in Starnberg und aufgewachsen in Seeshaupt, kennt er die Gegend wie seine Westentasche.