Kaiserin Elisabeth Museum

Lieber einen Bahnhof als ein Schloss …

Der bedeutendere der beiden Bahnhöfe war eindeutig Possenhofen. Er erhielt einen bemalten und mit Stuck versehenen "königlichen" Wartesalon wie es ihn sonst nur im Bahnhof Starnberg gab. Die beiden Bahnstationen Feldafing und Possenhofen liegen nur knapp über zwei Kilometer voneinander entfernt. Da diese beiden Stationen privat finanziert wurden, gab es eine Vereinbarung, dass jeder Zug an beiden Stationen halten musste. Leider konnte Maximilian II. die Eröffnung der Bahnstrecke Starnberg - Tutzing und "seiner" beiden Bahnhöfe nicht mehr selbst erleben. Der König verstarb am 10. März 1864.
Nach dem Tod von König Maximilian II. wurde der Bau des Schlosses in Feldafing von seinem Sohn König Ludwig II sofort beendet und Teile der Grundmauern für den Bau der beiden Bahnhöfe Possenhofen und Feldafing verwendet. Somit stecken in den beiden kleinen Bahnhöfen die Steine, die eigentlich eine architektonische Sensation für den Starnberger See hätte werden sollen. Elisabeth dürfte vom Fortschritt beim Bau der Bahnstrecke und der Bahnhöfe, die eine Anreise nach Possenhofen nun erleichterten, meist nur aus Briefen ihrer Familie erfahren haben. Bei ihrem Sommeraufenthalt in Possenhofen im Jahr 1864, bei dem auch ein Treffen mit König Ludwig II. dokumentiert ist, war der Bahnhof noch in der Planungsphase und in den folgenden zwei Jahren bis zur Eröffnung der Strecke Starnberg - Tutzing, im Juli 1865, war Elisabeth um den Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn bemüht und hielt sich meist in Wien oder in Ungarn auf. Nachdem sie und ihr Gemahl Kaiser Franz Joseph zum apostolischen König und Königin von Ungarn gekrönt wurden verbrachte sie sehr viel Zeit in ihrem neuen "Lieblingsland".

Erst im Juli 1869 besuchte Elisabeth das nächste Mal ihre Heimat im Fünfseenland am Starnberger See und kam in den Genuss bis fast vor die Haustüre ihres geliebten Schlosses Possenhofen mit der Dampfeisenbahn fahren zu können.

Einst hielten Züge wie dieser Salonwagen König Ludwig II. in Possenhofen. Auch Elisabeth und Kaiser Franz Joseph kamen mit „der Bahn”

Die Bahnstrecke, die Anfangs nur bis Tutzing projektiert war, wurde gleich bis Penzberg erweitert und im Oktober 1865 in Betrieb genommen. Dort wurde seit dem Jahr 1796 Kohle gefördert, die umständlich auf Fuhrwerken nach Seeshaupt und dann auf dem Seeweg nach Starnberg transportiert werden musste. Ab Ende des Jahres 1865 konnten diese Kohletransporte dann auf die Schiene verlegt werden.
Mit dem Ende der Könige und Herzöge in Bayern um die Jahrhundertwende verlor auch der Bahnhof Possenhofen langsam seinen Glanz und seine Bedeutung. Ab 1910 wurde die Bahnstrecke meist von Sommerfrischlern oder eben zum Abtransport der Penzberger Kohle benutzt.

Genauer wollen wir an dieser Stelle auf die folgenden Jahre der Eisenbahnentwicklung nicht eingehen. Mehrmals sollte die "unrentable" Strecke stillgelegt werden. Man sparte an allem und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die alten Bahnhofsgebäude Schaden nahmen. In den letzten Jahrzehnten wurden die Fahrkartenschalter durch Fahrkartenautomaten ersetzt. Die Warteräume wurden geschlossen weil ihre Unterhaltung zu teuer erschien und an den Gebäuden fing langsam der Putz an von den Wänden zu bröckeln. Nicht selten lief auch schon Wasser durch die Dächer. Auch der ehemals für die "allerhöchsten Herrschaften" gebaute Bahnhof Possenhofen fristete ein jämmerliches Dasein und drohte langsam zu verfallen ohne das sich jemand für einen historischen Bahnhof wie diesen interessiert hätte. Etwa im Jahr 1999 hatten der Starnberger Archivar und Sisi-Sammler Paul Heinemann und seine Frau Anita die Idee zu einer Elisabeth-Ausstellung in der Nähe der Originalschauplätze. Schon seit Jahrzehnten sammelten die beiden Memorabilien der Kaiserin. Heinemann stieß bei der Suche nach einem geeigneten Raum für seine Ausstellung auf den leerstehenden, dahinmarodierenden Possenhofener Bahnhof. Es war der perfekte Ort für ein Sisi-Museum wie es ihm vorschwebte. Das Gebäude war zwar heruntergekommen aber die Ausstellungsräume konnten dank der Hilfe des Freundes Dr. Stappert kostengünstig angemietet werden. Außerdem liegt der Bahnhof in der Nähe von Schloss Possenhofen, das Elisabeth immer so geliebt hatte und ihre unbeschwerte Kindheit und Jugend dort verbrachte. Elisabeth und sogar Kaiser Franz Joseph von Österreich waren schon über diese historische Bahnstation in Possenhofen angereist. Man könnte also sagen Elisabeths Geist wehe noch durch diese alten Mauern und verzauberte Heinemann. Eine Idee war geboren! Fortan war im Possenhofner Bahnhof eine "Kaiserin-Elisabeth-Ausstellung" bestehend aus den Exponaten der "Sammlung Heinemann" zu sehen, die von den Besuchern wohlwollend und interessiert angenommen wurde.