Tod in Genf

Der letzte Vorhang ist gefallen

Der Quai du Mont Blanc in Genf. Das Kreuz kennzeichnet die Stelle, an der Kaaiserin Elisabeth von Luigi Lucheni ermordet wurde

So brachte man die Kaiserin auf einer provisorisch gezimmerten Bahre zurück in ihr Hotelsuite, wo sie von einem eilends herbeigerufenen Arzt untersucht wurde. Dieser stellte fest, dass Luigi Lucheni die Kaiserin nicht nur umgerempelt hatte sondern ihr einen Spitzen Gegenstand - eine angeschliffenen Feile wie sich später herausstellte - ins Herz gestossen hatte. Der Stich traf die Herzkammer, war aber so klein, dass nur einzelne Tropen Blut austraten. Schnell wurde ein Geistlicher gerufen um Sisi die letzte Ölung zu spenden und um 14:10 Uhr am 10. September des Jahres 1898 verstarb die Kaiserin von Österreich im Hotel Beau Rivage in Genf ohne wieder zu Bewustsein gekommen zu sein.

Kaiser Franz Joseph soll, als man ihm die Nachricht vom tödlichen Attentat in Genf auf seine geliebte Gattin Elisabeth überbrachte gesagt haben: "Mir bleibt aber auch nichts erspart". Sicher ist das nicht überliefert aber gewiss ist, dass der Kaiser, Franz Joseph von Österreich ab diesem Moment ein gebrochener Mann war. Er hatte Elisabeth sein ganzes Leben lang geliebt und verehrt, ihr alle ihre Eskapaden verziehen, aber die strengen Sitten am Hof und das peinlich genaue Hofprotokoll, das zur damaligen Zeit in der Hofburg zu Wien galt, machten es ihm unmöglich seine Liebe zu Sisi so zu leben, wie er es vielleicht gerne getan hätte.

Der Anarchist und Sisi-Attentäter Lucheni wurde schnell gefasst. Er wurde nicht hingerichtet, da man ihn nicht zum Märtyrer machen wollte

Und Elisabeth, die unglückliche Prinzessin von Bayern, Königin von Ungarn und Kaiserin von Österreich, diese wunderschöne und bemerkenswerte Frau konnte mit dem täglichen Leben, das ihren Ehemann den Kaiser jeden Tag aufs Neue umgab, nicht glücklich werden. "Verliebt war sie in Franz Joseph schon als sie ihn kennenlernte" sagte sie einmal "wenn er nur kein Kaiser wär!". Ob sie ihn unter anderen Umständen ebenso geliebt hätte wie er sie wird immer ein Geheimnis bleiben. Wenn Sisi und Franz Joseph sich in einem entlegenen Trakt der Wiener Hofburg gestritten haben dann wird bei der Wahl ihres Streitvokabulars desöfteren, ganz gemäß dem Wiener Schmäh, auf das strenge Hofprotokoll "draufgschissn' gwen sei". Wenn Franz Joseph das auch in seinem Leben öfter getan hätte, dann hätte er die Prinzessin vom Starnberger See sehr bestimmt sehr glücklich machen können.


Elisabeth wurde am 17. September des Jahres 1898 in einem großen Staatsakt in der Franz-Josephs-Gruft (einem Teil der Kapuzinergruft) in der wiener Kapuzinerkirche beigesetzt. Dort ruht sie heute neben Kaiser Franz Joseph und ihrem Sohn, Kronprinz Rudolf von Österreich