Das pompejanisch-bayerische Casino auf der Roseninsel im Starnberger See. Hier auf einem Aquarell von Franz Jakob Kreuter
Die Roseninsel ist die einzige Insel im Starberger See. Eigentlich ist es auch nicht die Roseninsel und sie liegt eigentlich auch nicht im Starnberger See. Geschichtlich gesehen zumindest. Denn der Starnberger See heißt erst seit 1962 Starnberger See. Zuvor hieß er Würmsee und die Roseninsel hieß Wörth also Insel Wörth. Der Name Wörth stammt vom althochdeutschen Uuerid, woraus unter anderem Werid, Werder und eben Wörth entstand was soviel heißt wie "Land zwischen zwei Flüssen" oder "Fluss-Insel" oder auch "Siedlung an Gewässern". Und tatsächlich war die heutige Roseninsel schon zwischen 2000 und 800 vor Christus besiedelt und diente als Kultstätte. Ihre Fläche beträgt heute ca. 2,56 Hektar.
Im frühen 19. Jahrhundert gehörte die Roseninsel der Fischerfamilie Kugelmiller (heute Kugelmüller). Ab ca. 1840 hatte König Maximilian II. von Bayern ein Auge auf die hübsche Insel geworfen und erwarb sie 1850 für 3000 Gulden. Er hatte die Vorstellung sich dort ein ruhiges Sommerdomiziel bauen zu lassen. Maximilian II. ließ die Roseninsel nach dem Kauf vom bedeutendsten deutschen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné und Franz Jakob Kreuter umgestalten. Bei dieser Umgestaltung entstand das sogenannte pompejanisch-bayerische Casino, einem Giebelbau mit kurzem Quertrackt und beigestelltem Belvedereturm, inmitten einer kleinen Parkanlage mit einem ovalen Rosarium als Zentrum. König Ludwig II., der Sohn Maximilians II. von Bayern nutzte den abgelegenen Ort gerne um Staats- und andere Gäste zu empfangen. Diese Gäste ließ er meist mit dem Raddampfer "Tristan" zur Roseninsel bringen und bereitete ihnen dort märchenhafte Soireen. Eben dies war auch der Ort, an dem sich Kaiserin Elisabeth öfter "fast geheim" mit König Ludwig II. traf. Beide hatten eine Abneigung gegen Menschanandränge und liebten die Einsamkeit. Sisi und Ludwig fühlten sich seelenverwandt und beide liebten ihre "konspirativen" Treffen auf der Roseninsel. Man erzählt, dass Ludwig, wenn er sich nach einem Treffen mit Elisabeth sehnte, die Glocken in einer bestimmten Art läuten ließ. Elisabeth eilte dann zur Roseninsel und Ludwig bereitete ihr aufwendige Diners. Auch schrieben sich Ludwig und Elisabeth immer wieder Briefe, die sie in einer geheimen Schublade eines Sekretärs im Casino versteckten, zu der nur sie beide einen Schlüssel hatten. Oft bezeichnen die beiden sich in ihren Briefen / Gedichten als See-Möve (Elisabeth) und Adler (Ludwig II.).
Eine Legende erzählt, dass in stürmischen Nächten, wenn kein Fischer sich mit seinem Kahn auf den See hinaus wagt ein kopfloser, geisterhafter Reiter auf einem weißen Pferd auf die Roseninsel zureitet, an ihr vorbei galoppiert und dann verschwindet. Wer dieser Reiter ist und warum er als Geist umgehen muss ist leider bis heute nicht zu klären. Ob der Reiter ohne Kopf auch Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II. einmal bei einem ihrer Treffen auf der Roseninsel erschienen ist, davon ist nichts überliefert. Da die beiden aber schon zu Lebzeiten für etwas verschroben und eigenbrötlerisch gehalten wurden, wäre es wohl auch besser gewesen sie hätten eine solche Begegnung mit dem kopflosen Reiter für sich behalten.